Ätna: Starkes Erdbeben erschüttert Catania

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Italien – Nach der starken vulkanischen Aktivität am italienischen Vulkan Ätna und einhergehender Erdbebenaktivität hat sich in der Nacht zum zweiten Weihnachtsfeiertag an der Südflanke des Berges ein starkes Erdbeben ereignet. Das Epizentrum des Bebens lag nur 15 Kilometer nördlich von Stadtzentrum Catanias nahe des Ortes Viagrande. Wie das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) mittelte, erreichte das Beben Magnitude 4.8. Der Erdbebenherd lag nur in einem Kilometer Tiefe.

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Aufgrund der vulkanischen Tätigkeit sind in den letzten Tagen starke Deformationen am Ätna aufgetreten. Die dabei aufgetretenen Spannungsveränderungen erhöhten auch die Spannung auf umliegende Störungszonen, was zu diesem Erdbeben geführt hat. Das Epizentrum heute lag an einer bekannten Störung, an der es bereits während der größere Eruption 2002 zu einem starken Erdbeben gekommen ist.

Die Erschütterungen waren heute im gesamten Osten Siziliens und auch im Süden von Kalabrien zu spüren. In Catania war das Beben so stark, dass viele Menschen aus Angst ihre Häuser verließen. In den Orten am Epizentrum haben die Erschütterungen nach ersten Meldungen zu teils größeren Schäden geführt.
In den Städten Santa Venerina und Zafferana Etnea sind mehrere Mauern eingestürzt. Von Kirchen stürzten Teile der Fassaden herab. Es gibt zudem Berichte über mindestens ein eingestürztes Gebäude. Rettungskräfte überprüfen zur Zeit die Lage in der Region. Auch in Catania selbst werden Gebäude auf mögliche Schäden überprüft. Erste Meldungen sprechen dort von Rissen in einigen Wänden.
Im Ort Fleri stürzte ein Haus ein. Aus den Trümmern konnten Rettungskräfte einen Bewohner retten.

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Aufgrund der geringen Herdtiefe und der komplexen Oberflächenstruktur des Vulkans können solche Erdbeben in Vulkangebieten lokal eine sehr hohe Intensität erreichen und entsprechend viel Schaden verursachen. Das INGV ermittelte in ersten Kalkulationen eine Maximalintensität von VIII für den Südosthang des Ätna.

Update 04:43 Uhr
In Fleri seien inzwischen zwei Personen verletzt aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes gerettet worden, berichtet CataniaToday. Demnach seien allerdings noch weitere Menschen unter den Trümmern anderer Häuser eingeschlossen.

Update 05:25 Uhr
Die vom Erdbeben am schwersten betroffenen Orte befinden sich überwiegend nördlich vom Epizentrum, während in Catania, bzw. den nördlichen Ortsteilen, nur sehr wenige Schäden aufgetreten sind. Dort an der Ostflanke des Ätna sind die Auswirkungen aufgrund der geringen Herdtiefe nur sehr regional in einem Umkreis von rund 10 Kilometern, betreffen jedoch viele Dörfer bis hin zur Küste. Aufgrund der jungen vulkanischen Gesteine und der Hangneigung in der Region sind die Auswirkungen des Bebens dort verstärkt worden, Effekte wie sie immer wieder bei Erdbeben in vulkanischen Gebieten auftreten. Auch das Erdbeben auf der Insel Ischia im vergangenen Jahr wurde dadurch zu einer Katastrophe.

Update 05:55 Uhr
Zu den Auswirkungen des Bebens und dem Verlauf der Rettungsarbeiten liegen zur Zeit noch keine offiziellen Meldungen vor. Medien berichten jedoch von weiteren Verletzten aufgrund von herabgestürzten Trümmern und durch Stürze bei der Flucht aus den Häusern. Insgesamt beläuft sich die Zahl der bisher bekannten Verletzungen auf etwa 10.
Da in einigen der betroffenen Dörfern der Strom ausgefallen sind, ist es noch nicht möglich, das genaue Ausmaß des Schadens abzuschätzen. Familien, die nach dem Erdbeben ihre Häuser verloren oder freiwillig verlassen haben, verbringen den Rest der Nacht vor allem in Autos oder auf offenen Flächen.

Update 10:50 Uhr
Auf folgendem Google Earth Luftbild sind die Epizentren der jüngst registrierten Erdbeben am Ätna als rote Kreise eingetragen, gemäß den Daten des EMSC, die wiederum größtenteils vom INGV bezogen sind. Das Aktivitätszentrum knapp südöstlich des Gipfels markiert das Gebiet, wo Heiligabend die Eruption einsetzte und bis aktuell andauert. Erdbeben am Süd- und Osthang des Ätna gehen hingegen auf tektonische Ausgleichsbewegungen zurück, die durch die Deformation der Oberfläche entstehen. Das heutige Erdbeben ist auf der Karte der größere Kreis ganz im Südosten.
Weiterhin sind westlich des Ätna kleinere Beben zu sehen, die auf Magmabewegungen in der mittleren Erdkruste, also in größerer Tiefe, zurückgehen.
Die großflächige Seismizität bei andauernder eruptiver Tätigkeit zeigt die signifikanten Spannungsänderungen am Vulkan. Entsprechend besteht zur Zeit und in den kommenden Tagen am Vulkan ein deutlich erhöhtes Erdbebenrisiko. Aufgrund der geringen Herdtiefe können Beben ab ca. Magnitude 4 zu Gebäudeschäden direkt am Epizentrum führen.

Update 13:49 Uhr
Die Zahl der Verletzten nach dem Erdbeben ist auf insgesamt 28 gestiegen. Darunter seien keine Schwerverletzten, wie Behörden mitteilten. Todesopfer werden nicht gemeldet. Die Auswertung der Gebäudeschäden dauert noch an. Für Familien und Personen, deren Häuser beschädigt wurden, richteten die Behörden Notunterkünfte ein. Es wird davor gewarnt, beschädigte Gebäude zu betreten, da weitere größere Erdbeben aufgrund der andauernden Aktivität des Vulkans nicht ausgeschlossen werden können.
Unterdessen ergab eine Neubewertung des INGV Magnitude (Mw) 4.9 für das Erdbeben.

Update 27. Dezember, 11:33 Uhr
Nach vorläufigen Auswertungen der Schäden sind rund 2000 Gebäude vom Erdbeben betroffen. die eingegangenen Schadensmeldungen werden zur Zeit durch die Behörden geprüft. Etwa 600 Menschen haben aufgrund der Schäden ihre Häuser verlassen müssen und sind in Notunterkünften untergebracht worden.

Lage des Epizentrums


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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 26. Dezember, 03:19 Uhr

Magnitude: Mw 4.9

Tiefe: 1 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: vulkanotektonisch

Tsunami-Gefahr: nein

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Jens ist 25 und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Juni 2019 lebt er in Karlsruhe und arbeitet im Bereich Katastrophenforschung.

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