Starkes Erdbeben (M5.7) im Adriatischen Meer – Schulen evakuiert, Häuser beschädigt

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ShakeMap (Berechnete Intensität des Erdbebens in der Adria):


Epizentrum, ShakeMap und historische Erdbeben der Region auf interaktiver Karte anzeigen

Was ist passiert:

Ein starkes Erdbeben hat am Mittwochmorgen das Adriatische Meer getroffen. Dabei lag das Epizentrum vor der Küste der italienischen Stadt Ancona. Nach ersten Auswertungen des Geoforschungszentrums Potsdam erreichte das Beben Magnitude 5.7. Die Erschütterungen waren vor allem entlang der italienischen Küste zwischen Ancona und Rimini stark zu spüren, umfassten aber auch die Hauptstadt Rom, weite Teile Norditaliens sowie die Küsten von Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Teile der östlichen Alpen (u.a. in Kärnten und Tirol). Auch im Süden von Bayern könnte das Beben vor allem in den obersten Stockwerken einiger Gebäude verspürt worden sein.

Verbreitet Leichte bis vereinzelt mäßige Schäden sind vor allem an der Küste nördlich von Ancona möglich. Ältere Gebäude können auch schwerere Schäden erleiden. An den Steilküsten drohen zudem Steinschläge. Größere Auswirkungen dürfte das Erdbeben aufgrund der Entfernung zur Küste jedoch nicht haben. Tsunami-Gefahr besteht nicht, aber spürbare Nachbeben sind wahrscheinlich.

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Im Adriatischen Meer selbst gibt es, im Vergleich zum umliegenden Festland, relativ wenige Erdbeben. Grund für die Erdbeben in der Region ist häufig die Kollision der Adriatischen Mikroplatte mit dem Eurasischen Kontinent sowie Ausgleichsbewegung innerhalb Eurasiens. Die Adria-Platte selbst ist relativ stabil, sodass innerhalb dieser wenig Aktivität stattfindet. Das heutige war eines der stärksten seit Aufzeichnungsbeginn. Der Raum Ancona gehört dabei auch in der jüngeren Vergangenheit zu den aktivsten Gebieten.

Update 08:20 Uhr: Gebäude evakuiert, Bahnverkehr eingestellt

In der italienischen Provinz Marken, zu der auch Ancona gehört, wurde infolge des Bebens eine Schließung aller Schulen veranlasst. Dies betrifft auch Kindergärten und einzelne Hochschulen. Die Gebäude sollen vor der Nutzung zunächst auf mögliche Schäden überprüft werden. Bei den lokalen Feuerwehren gingen bereits zahlreiche Meldungen über rissige Wände ein, überwiegend in Privathaushalten. In Ancona wurde wegen der Schäden zudem eine Privatklinik vorsorglich evakuiert.

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Auch der Bahnverkehr entlang der italienischen Adria-Küste ist zur Vorsorge bis auf weiteres eingestellt. Währenddessen wurden zahlreiche Nachbeben registriert und teilweise auch vor allem rund um Ancona verspürt. Nach Angaben des Erdbebendienstes INGV erreichte das stärkste Nachbeben bisher Magnitude 4.0.

Update 10:07 Uhr: Mehrere Verletzte in Ancona

Neben Sachschäden kam es durch das Erdbeben auch zu mehreren Verletzungen. In Ancona mussten mehrere Personen wegen Panikattacken und Verletzungen, die sie während der panischen Flucht aus ihren Häusern erlitten, in Krankenhäusern behandelt werden. Schwere Verletzungen sind nach ersten Angaben nicht dabei.

In einer ersten Schadensbilanz erfasste der Zivilschutz der Region keine großen Gebäudeschäden. Alle überprüften Strukturen seien weitestgehend nutzbar. Einstürze seien nur von nicht strukturellen Gebäudeteilen sowie Verputz von Decken und Wänden bekannt. Entsprechend müssen bisher auch keine notwendigen Evakuierungen vorgenommen werden.

Aktuelles aus der Region  Erdbeben (M4.3) Paraguari, Paraguay

Zeugenmeldungen

Metajna, Kroatien
9.11.2022
Ich würde durch ein Vorbeben aufmerksam. Hauptbeben spürbar stärker. (Intensität IV)

Sant’Andrea di Suasa, Italien
09.11.22 ca 7:10
Das ganze Haus hat gewackelt, Überall klimperte und klirrte es, es war als ob sich der Boden verschiebt. Ich hatte Angst (Intensität V)

Klagenfurt, Österreich
09.11.2022 0709
Kurze Erschütterung, Deckenlampen haben leicht ausgeschwungen (Intensität II – III)

Caprese Michelangelo, Italien
09. November, kurz nach 7:00 Uhr
Gerade nach dem Erwachen spürte ich ein leichtes Vibrieren und sah die Deckenlampe hin und her schwingen. Dauerte nur wenige Sekunden, genau kann ich es nicht sagen, bin mir nicht sicher, ob das Beben mich geweckt hatte. Mein Schlafzimmer ist im 2. Stock. (Intensität III – IV)

Rijeka, Kroatien
7:09
Leichte Bewegung im 4. Stock
Türrahmen haben was geknackt. (Intensität III)

Maribor, Slowenien
kurz nach sieben Uhr, 09.11.2022 (Intensität II)

Rupa, Kroatien
09.11.22, kurz nach 7 Uhr
3 Sekunden Wackeln des Wohnmobils, Verwunderung wegen Windstille (Intensität III)

Betroffene Städte, Orte

Stadt Land Intensität (EMS-98) Bewohner Entfernung Epizentrum (km) Beschreibung
Ponte Sasso IT 6.7 6100 28.7 leichte Schäden
Marotta IT 6.7 6500 30.0 leichte Schäden
Fano IT 6.7 39000 29.5 leichte Schäden
Senigallia IT 6.5 30900 33.5 leichte Schäden
Pesaro IT 6.5 77200 32.8 leichte Schäden
Rimini IT 5.7 118700 59.1 stark spürbar, geringe Schäden
Perugia IT 4.4 120100 124.0 deutlich spürbar
Rijeka HR 4.3 141200 172.1 deutlich spürbar
Mestre IT 4.2 147700 184.6 deutlich spürbar
Florence IT 4.1 349300 167.0 deutlich spürbar

Aktuelle Erdbebenaktivität nahe Ancona:

In den vergangenen 30 Tagen wurden in Italien (Kartenausschnitt) 23 Erdbeben über Magnitude 2.2 registriert. Damit war die Erdbebenaktivität im vergangenen Monat dort deutlich niedriger als im langjährigen Vergleich (über 20 Prozent Abweichung).

Zusammenfassung der Erdbebendaten:

FAQ: Wie entstehen Erdbeben? Wann sind Erdbeben gefährlich? Wie kann ich mich schützen?

Was sind Störungen, was sind Platten? Wichtige Begriffe erklärt

Erdbebenmessung im Wohnzimmer: Professionelle Seismometer für Experten und Laien (Gesponsert)

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit / Time (CET): 9. November, 07:07 Uhr

Magnitude: 5.7

Tiefe / Depth: 8 km

Spürbar / Felt: ja / yes

Schäden erwartet / Damage expected: ja / yes

Opfer erwartet / Casualties expected: möglich / possible

Ursprung / Origin: tektonisch

Tsunami: nein

Quellen (Erdbebendienste) zu allen Erdbebendaten / List of global earthquake surveys

See also: The most complete compilation of earthquake losses and casualties: Earthquake Impact Database

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    Erdbebendaten: GFZ

    Statistik:

    Seit 1960 gab es in der Region etwa 32 Erdbeben, die stärker waren als Magnitude 5.7. Durchschnittlich gibt es in dem Teil von Adria (nahe Ancona) 0.55 Erdbeben der Stärke 5.7 oder höher pro Jahr. Damit ist die Erdbebenaktivität in der Region normalerweise hoch und Beben dieser Stärke haben eine durchschnittliche Wiederkehrperiode von etwa 1.8 Jahren (22 Monaten).

    Übersicht der stärksten Erdbeben im Kartenausschnitt* (Adria und Umgebung)

    Datum Magnitude Tiefe (km)
    30.10.2016 6.6 8
    6.5.1976 6.5 9
    29.12.2020 6.4 10
    6.4.2009 6.3 9
    19.7.1963 6.3 15
    11.1.1962 6.2 15
    21.8.1962 6.2 20
    24.8.2016 6.2 4
    7.1.1962 6.2 15
    26.10.2016 6.1 10

    *Daten: USGS-Katalog (ab Magnitude 5, seit 1960)
    Hinweis: Der Erdbebenkatalog enthält neben natürlichen auch induzierten Erdbeben. Dazu zählen zum Teil auch Sprengungen und Explosionen. Somit sind einzelne „falsche“ Erdbeben in der Darstellung möglich. Auch die Magnitudenangabe einzelner Erdbeben kann aufgrund von Katalogunterschieden variieren.

    3 Kommentare

    1. Ich habe ein Erdbeben auch überlebt am 15.4.1979 in Ulcinj im Hotel Albatros. Ich dachte ich komme nicht lebendig raus. Das Erdbeben war so stark, dass man überhaupt nicht messen konnte.

    2. Ich wohne in einem Hochhaus im 10. Stock. Zuerst ein leises Grollen, dann hat das Bett gewackelt, die Lampe auch und 2 Mobile haben geklingelt.

    3. In Montecarotto war es sehr stark zu spüren. Das Haus hat gewickelt und es war ein Geräusch als ob ein Zug über das Dach fährt. Die Hängelampe hat noch ca. 10 Minuten geschwenkt.0

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