50.000 Erdbeben: Alaska registriert neue Rekordanzahl

USA – Kein Zweifel: Der US-Bundesstaat Alaska gehört zu den Regionen mit der höchsten Erdbebenaktivität weltweit. Das jüngste starke Erdbeben in Anchorage hat dies mal wieder bewiesen. Doch auch für stark erdbebengefährdete Gebiete ist folgende Zahl überraschend:
Das Alaska Earthquake Center in Fairbanks teilte am Sonntag auf Twitter mit, dass in diesem Jahr das erste Mal seit Aufzeichnungsbeginn mehr als 50.000 Erdbeben in Alaska registriert wurden. Ein Rekord für Alaska und schon zwei Wochen vor Jahresende eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, als rund 43.000 Beben aufgetreten sind. Zum Vergleich: in den 48 kontinentalen US-Bundesstaaten waren es 2018 bisher rund 60.000 Erdbeben. 

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Für diese hohe Zahl an Registrierungen in Alaska gibt es vor allem zwei Gründe:

1. Das USArray
Das seit einigen Jahren unter dem Namen USArray laufende Forschungsprogramm hat sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe geophysikalischer Messungen, vor allem durch Seismometer, die Erdkruste des Nordamerikanischen Kontinents besser zu erforschen und dort ablaufende Prozesse zu verstehen. Einige Ergebnisse kamen in den vergangenen Jahren bereits heraus.
Zu dem USArray gehören neben vieler permanenter Stationen zur Erdbebenüberwachung auch viele temporäre Stationen, die seit 2007 durch die USA „wandern“. Zunächst wurden die Stationen an der Ostküste installiert. Seit 2014 wird in Alaska aufgezeichnet – mit stetigem Ausbau des Netzes.
Zusammen mit den dort sowieso installierten permanenten Stationen entstand ein dichtes Überwachungsnetz, das eine deutliche Verbesserung der Erdbebenüberwachung ermöglichte. So konnten auch in den abgelegenen Gebieten des Staates kleinste Beben detektiert werden, die zuvor unbemerkt geblieben wären.

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Bereits die 43.000 detektierten Ereignisse des Vorjahres belegten den (unmittelbaren) Nutzen des Arrays. Im Jahr 2018 kam aber noch ein anderer Faktor hinzu, der die Zahl der Erdbeben beeinflusste:

2. Nachbeben
Allein das bereits angesprochene Erdbeben (Mw7.0) in Anchorage am 30. November hatte bisher fast 5000 Nachbeben (Siehe Alaska Earthquake Center Karte ganz oben). Weitere sehr produktive Erdbebensequenzen ereigneten sich im Laufe des Jahres im Norden Alaskas nahe der Stadt Kaktovik mit insgesamt 6500 Ereignissen, sowie vor der Küste im Golf von Alaska (Nachbeben des Mw7.9 am 30. Januar) mit über 4000 Erdbeben.

Allein diese drei Erdbebensequenzen trugen zu rund einem Drittel aller in Alaska registrierter Erdbeben bei. Hinzu kommt die normale Hintergrundaktivität.

Der Erdbebenrekord für Alaska ist also ein Zeichen einer sich deutlich verbessernden Überwachung. Erdbebensequenzen scheinen nun viel größer, da auch deutlich kleinere Erdbeben registriert werden können. Dies bietet zudem die Gelegenheit, die regionalen tiefengeologischen Gegebenheiten mit Methoden der Seismik besser zu erforschen. Oder, wie Seismologin Lucy Jones es formuliert hat: „Die Erde tut was sie tut, aber all das auch registrieren zu können, ist ein monumentaler Erfolg.“


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Jens Skapski

Data Analyst bei Risklayer
Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Sommer 2019 arbeitet er als Data Analyst in Karlsruhe.

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