13 Tote bei Erdbeben in Sichuan

China – Im Süden der chinesischen Provinz Sichuan hat sich am Montag ein starkes Erdbeben ereignet. Nach Angaben des chinesischen Erdbebendienstes erreichte das Erdbeben Magnitude 6.0. Das Geoforschungszentrum Potsdam ermittelte zunächst Magnitude 5.6. Beide Erdbebendienste verwenden unterschiedliche Skalen.
Das Epizentrum des Erdbebens lag nahe der Grenzen zu den Nachbarprovinzen Yunnan und Guizhou, rund 250 Kilometer südlich der Millionenstadt Chengdu.
In weiten Teilen von Sichuan und angrenzenden Provinzen war das Erdbeben deutlich zu spüren. Neben Sichuan war unter anderem auch Chongqing betroffen. In beiden Metropolen flüchteten viele Menschen aus Angst ins Freie.

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Die Epizentralregion ist überwiegend ländlich geprägt und vergleichsweise dünn besiedelt. Schwere Schäden sind besonders in den Orten in nahe gelegenen Flusstälern möglich. Zudem drohen größere Erdrutsche. Das Beben ereignete sich um 22:55 Uhr Ortszeit.

Update 18:46 Uhr
Mehrere Notfallteams wurden von den Behörden ins Katastrophengebiet entsandt. Nach ersten Meldungen stürzten im am meisten betroffenen Landkreis Changning nördlich des Epizentrums zahlreiche Gebäude ein. In vielen weiteren bildeten sich Risse.
Es gibt erste Meldungen über mindestens ein Todesopfer in Changning. Vier weitere Menschen konnten bisher lebend aus eingestürzten Gebäuden gerettet werden.
Die Zufahrt zu einigen Orten ist durch Erdrutsche und Risse in Straßen erschwert.

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Update 18. Juni, 10:28 Uhr
Insgesamt 13 Todesopfer und über 100 Verletzte, so die aktuelle Bilanz des Erdbebens. Viele Menschen konnten zudem aus eingestürzten oder teilweise zusammengebrochenen Häusern gerettet werden. Eine Person galt zuletzt noch als vermisst.
Mehrere Dutzend Gebäude sind im Landkreis Changning zusammengebrochen. Tausende sind betroffen. Eine genaue Auswertung der Erdbebeneffekte wird noch einige Tage Zeit in Anspruch nehmen. Rettungskräfte sind zur Zeit weiter damit beschäftigt, mögliche Eingeschlossene aus den Trümmern zu retten. Es ist das folgenschwerste Erdbeben in China seit mindestens zwei Jahren, als ebenfalls die Provinz Sichuan (allerdings der Norden) betroffen war.

Zahlreiche Nachbeben, teilweise über Magnitude 5, erschütterten die Region zudem in den vergangenen Stunden und verursachten teilweise neue Schäden. Auch in den kommenden Tagen muss noch mit starken Nachbeben gerechnet werden.

Zur Zeit steht es zur Diskussion, ob es sich um ein natürliches Erdbeben handelt oder nicht. In den vergangenen Jahren nahm in vielen Teilen von Sichuan die Erdbebenaktivität infolge der geplanten massiven Schiefergasförderung zu. Dabei kam es unter anderem durch die Anwendung von Hydraulic Fracturing (Fracking) und auch Waste Water Injection, also dem Einpressen von Brauchwasser ins Gestein, zu signifikanten Erdbebenclustern. Eines dieser Erdbeben mit Magnitude 4.9 verursachte bereits vor einigen Monaten in Sichuan massive Schäden und führte zu mindestens zwei Todesopfern.
Das aktuelle Erdbeben liegt ebenfalls im Bereich eines Clusters, wobei in diesem Fall nicht Fracking sondern Waste Water Injection ursächlich wäre. Einzig die Tiefe des Erdbebens von rund 15 Kilometern spricht zur Zeit gegen einen Zusammenhang. Genauere Lokalisierungen des Erdbebens sind nötig, um hier einen möglichen Zusammenhang zu belegen.

Update 20. Juni, 19:25 Uhr
Drei Tage nach dem Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan dauern die Auswertungen der Schäden immer noch an. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung der Katastrophenschutzbehörde starben durch das Beben der Stärke 5.8 13 Menschen, während 226 weitere verletzt wurden. Deutlich höher sind die Schadenszahlen: Rund 16.000 Gebäude / 46.000 Räume wurden in den sechs betroffenen Landkreisen schwer beschädigt oder zerstört. Weitere 40.000 Gebäude / 110.000 Räume erlitten kleinere Schäden. Über 81.000 Menschen mussten aufgrund der Schäden ihre Häuser verlassen, wovon rund 50.000 bei Angehörigen untergekommen sind. 30.000 werden noch in Notunterkünften versorgt.

Wird aktualisiert, sobald weitere Informationen vorliegen…

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 17. Juni, 16:55 Uhr

Magnitude: Ms6.0, Mw5.8

Tiefe: 18 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: wahrscheinlich

Ursprung: Waste Water Injection?

Tsunami-Gefahr: nein

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Jens Skapski

Data Analyst bei Risklayer
Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Sommer 2019 arbeitet er als Data Analyst in Karlsruhe.

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