Schweres Erdbeben auf Halmahera

Indonesien – Im äußersten Süden der indonesischen Insel Halmahera hat sich am Sonntag ein schweres Erdbeben ereignet. Vorläufige Auswertungen des Geoforschungszentrums Potsdam ermittelten Magnitude 7.2, was ebenfalls vom indonesischen Erdbebendienst BMKG ermittelt wurde. Die genaue Herdtiefe wurde noch nicht ermittelt, sie liegt aber wohl sehr oberflächennah. Das Epizentrum des Erdbebens lag in einem relativ dünn besiedelten Teil Halmaheras inmitten einer Halbinsel. Die Küsten der Halbinsel, jeweils nur 10 bis 20 Kilometer vom Epizentrum entfernt, sind dichter besiedelt. Zum Herdmechanismus liegen noch keine Informationen vor, der Bruch des Bebens könnte sich bei dieser Stärke jedoch über bis zu 50 Kilometer erstrecken, sodass eine große Fläche betroffen ist. Besonders an den Küsten sind daher schwere Zerstörungen möglich. Im Hinterland der Halbinsel drohen zudem Erdrutsche. Auch ein kleiner, lokaler Tsunami ist nicht auszuschließen. Die nächst größere Stadt Laboeha befindet sich 60 Kilometer westlich des Epizentrums. Auch hier sind, abhängig vom Herdmechanismus des Bebens, kleinere Schäden möglich.

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Update 11:31 Uhr
Das Geoforschungszentrum Potsdam korrigierte das Erdbeben inzwischen auf Magnitude 7.0, eine manuelle Überprüfung der Daten steht jedoch noch aus. Diese erfolgte bereits beim United States Geological Survey, welche das Erdbeben zunächst mit Mw7.3 angeben

Update 11:41 Uhr
Die indonesischen Behörden ermittelten, dass das Erdbeben auf einen Strike-Slip Mechanismus zurückgeht. Ein erstes, 20 Kilometer südöstlich des Hauptbebens lokalisiertes Nachbeben der Stärke 5.6 deutet daraufhin, dass sich der Bruch parallel zum Verlauf der Halbinsel ausgebreitet hat. Das heißt, dass alle Dörfer entlang der Küste vom Beben gleichermaßen betroffen sind und weitreichende Schäden wahrscheinlich sind.

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Update 11:51 Uhr
In der Großstadt Ternate auf der vorgelagerten Vulkaninsel Gamalama, rund 170 Kilometer vom Epizentrum entfernt, war das Erdbeben stark zu spüren und versetzte viele Menschen in Panik. Es kam zu fluchtartigen Evakuierungen von Gebäuden, wie dieses Video aus einem Einkaufszentrum zeigt.

Update 12:01 Uhr
Nach Berechnungen von CATnews erreichte das Erdbeben in den Kommunen an der Küste die Maximalintensität VII bis VIII, was in der Regel zu schweren Schäden führt. Mehr als 200.000 Menschen sind demnach von potentiellen Schäden (Intensität VI oder höher) betroffen. Auch in Ternate, wo das Beben immer noch Intensität V erreichte, können vereinzelte, geringe Schäden aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und wegen möglicher lokaler Effekte an der Flanke des Gamalama-Vulkans nicht ausgeschlossen werden.

Update 12:11 Uhr
Die bisherige Verteilung der teils starken Nachbeben deutet auf ein relativ komplexes Bruchsystem mit mehreren involvierten Störungszonen hin. So gibt es mehrere eher moderate Nachbeben entlang der Halbinsel, also entsprechend des Verlaufs der Hauptstörungszone. Ein starkes Nachbeben mit Magnitude 5.8 traf hingegen den Vulkan Bibinoi westlich der Hauptstörung und weist zudem einen anderen Herdmechanismus mit dominierender Überschiebungskomponente auf. Diesem Beben ging ein kleines Beben weiter nördlich voraus.

Position bisher lokalisierter Nachbeben (Daten: EMSC, Karte: Google Earth)

Die Moment Rate Funktion, also der zeitliche Verlauf der freigesetzten Energie, die zunächst von Geoscope berechnet wurde, unterstützt die Vermutung mehrerer involvierte, möglicherweise getriggerter Störungen. Das heißt, dass auch Gebiete weiter entfernt vom eigentlichen Epizentrum, so wie die Orte rund um den Bibinoi-Vulkan, betroffen sein könnten. Zumindest das große Nachbeben dort dürfte zu einigen Schäden führen.


Da die Region relativ abgelegen ist, sind aber noch keine Informationen über die Lage vor Ort bekannt.

Update 12:25 Uhr
Neue Berechnung der Intensität von CATnews

Update 14:43 Uhr
Aus der Stadt Laboeha auf der Insel Bacan westlich des Epizentrums werden erste Schäden gemeldet. Unter anderem kam es zum Einsturz mehrerer Wände. In vielen Gebäuden und auch im Boden bildeten sich Risse. Verletzt wurde nach vorläufigen Angaben niemand.
Schlimmer scheint die Situation in Süd-Halmahera zu sein. Lokale Behörden sprechen zur Zeit von massiven Beeinträchtigung der Kommunikation, sodass viele Orte von der Außenwelt angeschnitten sind. Aus einigen Dörfern kamen die Meldungen vieler zerstörter und beschädigter Gebäude. Der nationale Katastrophenschutz und Rettungskräfte in die betroffene Region entsandt, um die Schäden zu beurteilen und mögliche Opfer zu versorgen.

Update 15:13 Uhr

Folgendes Video zeigt den kleinen Tsunami im Süden Halmaheras.

Update 18:20 Uhr
Die Indonesischen Behörden bestätigten am Abend den Tod einer Person infolge des Erdbebens. Der 45-jährige Mann sei durch ein einstürzendes Gebäude getötet worden. Indonesische Medien berichteten zuvor von zwei Todesopfern und zwei Verletzten.
Inzwischen ist von mehreren komplett oder teilweise zerstörten Dörfern die Rede. Allein im Dorf Wayatim stürzten 60 der 62 Gebäude ein.

Laufende Aktualisierungen, sobald weitere Informationen vorliegen

Lage des Epizentrums


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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 14. Juli, 11:10 Uhr

Magnitude: Mw7.3

Tiefe: ca 10 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr:

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Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Juni 2019 lebt er in Karlsruhe und arbeitet im Bereich Katastrophenforschung.
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