Erdbeben in der Türkei

Die Türkei gehört zu den erdbebengefährdetsten Ländern der Welt. Hunderttausende Menschen starben in den vergangenen Jahrhunderten bei Erdbeben. Das Potential schwerer Erdbeben bis Stärke 8, eine hohe Bevölkerungsdichte und zumeist traditionelle Bauweise macht auch heute noch große Katastrophen möglich.

Aktuelle Beiträge zu Erdbeben in der Türkei

Grund für die hohe Erdbebenaktivität in der Türkei ist ein komplexes System aus mehreren Mikroplatten, die sich gegeneinander verschieben. Der Großteil der Türkei liegt auf der Anatolischen Platte, welche zwischen der Eurasischen und Afrikanischen Platte eingeklemmt ist. Die Grenzen der Platte bilden die Nordanatolische und die Ostanatolische Störung, an der sich Anatolien relativ zur Umgebung nach Westen verschiebt. Beide Störungen gelten als seismisch sehr aktiv und haben in der Vergangenheit mehrfach katastrophale Erdbeben ausgelöst. Mit Istanbul, Erzincan und Osmaniye befinden sich mehrere Großstädte in unmittelbarer Umgebung dieser Störungen.

Die horizontale Verschiebung setzt sich über ein diffuses System kleinerer Störungen bis in den Iran fort.

Erdbeben (blaue Punkte) in der Türkei zwischen 2016 und 2019. Daten: emsc-csem.org. Aktive Vulkane sind mit roten Dreiecken gekennzeichnet.
Erdbeben (blaue Punkte) in der Türkei zwischen 2016 und 2019. Daten: emsc-csem.org. Aktive Vulkane sind mit roten Dreiecken gekennzeichnet.

Vor der Südküste der Türkei befindet sich die Hellenische Subduktionszone, wo die Afrikanische Platte unter den westlichen Teil Anatoliens abtaucht. Zwar ist die seismische Aktivität im türkischen Teil der Subduktionszone vergleichsweise gering, starke Erdbeben, teils über Magnitude 8, haben vor allem vor Mugla in der Vergangenheit stattgefunden und führen im östlichen Mittelmeer zu hoher Tsunamigefahr.

Weiter nördlich, entlang der Ägäis, führt die Subduktion indirekt zu entgegengesetzter Bewegung. Statt Plattenkollision dehnt sich hier die Erdkruste. In der Folge bildeten sich zahlreiche Gräben, meist von Ost nach West verlaufend, an deren Rändern sich die innen liegenden Gesteinsschollen absenken. Viele dieser Gräben haben hohes Erdbebenpotential mit möglichen Beben bis Stärke 7. Mit Izmir, Denizli und Bursa befinden sich auch hier zahlreiche Großstädte im Gefährdungsbereich. Zudem treten hier oft Schwärme kleiner Erdbeben auf, was die absolute Erdbebenzahl hier besonders in die Höhe treibt.

Vergleichsweise sicher ist hingegen das Zentrum der Türkei zwischen Ankara und Antalya. Hier sind die Bewegungen der Gesteinsschollen langsamer und Erdbeben entsprechend seltener. Komplett frei von starken Erdbeben ist aber auch dieses Gebiet nicht.

Neueste Erdbeben in der Türkei

Neueste Schadensbeben

DatumRegionStärkeTodesopferVerletzteBeschädigte Gebäude
7. August 2020Bitlis4.600ca. 5
4. August 2020Malatya5.26 (vorläufig)
26. Juni 2020Manisa5.5020ca. 100
25. Juni 2020Van5.405ca. 90
17. Juni 2020Sanliurfa4.1007
Die letzten 5 Schadensbeben in der Türkei (Daten: Earthquake Impact Database)

Auswahl historischer Erdbebenkatastrophen in der Türkei

  • 2020: Provinz Elazig, Magnitude 6.8, 44 Tote
  • 2011: Provinz Van, Magnitude 7.3, 604 Tote
  • 2004: Provinz Bingöl, Magnitude 6.4, 177 Tote
  • 1999: Provinz Bolu, Magnitude 7.2, 892 Tote
  • 1999: Provinz Kocaeli, Magnitude 7.7, 17.118 Tote
  • 1976: Provinz Muradiye, Magnitude 7.6, 5000 Tote
  • 1939: Provinz Erzincan, Magnitude 7.7, 32.000 Tote
  • 1883: Provinz Balikesir, Magnitude 7.7, 15.000 Tote
  • 1458: Provinz Erzincan, Magnitude 7.5, 35.000 Tote
  • 525: Provinz Hatay, Magnitude 7.0, 250.000 Tote

Türkische Erdbebendienste

Kandilli-Observatorium
AFAD

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