Schweres Erdbeben erschüttert Zakynthos: Tsunami detektiert

Griechenland / Italien – Ein schweres Erdbeben vor der Küste der griechischen Insel Zakynthos hat in der Nacht zum Freitag (26. Oktober) weite Teile des zentralen Mittelmeerraumes erschüttert. Nach Angaben des griechischen Erdbebendienstes in Athen erreichte das Erdbeben Magnitude 6.6. Das Epizentrum lag im Ionischen Meer rund 30 km südlich von Zakynthos. Das United States Geological Survey (USGS) gibt das Erdbeben zunächst mit Magnitude 6.8 an.
Im gesamten Süden Griechenlands waren die Erschütterungen stark spürbar. Besonders auf den vorgelagerten Inseln wie Zakynthos und auf der Halbinsel Peloponnes war das Erdbeben so stark, dass mit Schäden zu rechnen ist. Auf der Webseite des EMSC geben Zeugen Intensität V bis VII an. Auch der Süden von Italien sowie die südlichen Balkanstaaten, unter anderem Albanien und Bulgarien, waren vom Beben betroffen. Dort ist allerdings nicht mit größeren Auswirkungen zu rechnen.

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Aufgrund der hohen Magnitude kann ein kleiner Tsunami nahe des Epizentrums nicht ausgeschlossen werden. Davon könnten Zakynthos und umliegende Inseln, sowie die Westküste des Peloponnes betroffen sein. Große, zerstörerische Wellen sind allerdings nicht zu erwarten.

Rund eine halbe Stunde vor dem Beben wurde vor Zakynthos ein Vorbeben mit Magnitude 5.0 registriert. Dieses war auf der Insel schwach spürbar. In den kommenden Stunden bis Wochen muss mit teils starken Nachbeben gerechnet werden. Diese können besonders auf Zakynthos zu neuen Schäden führen

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Update 01:17 Uhr
Ein erstes kräftiges Nachbeben wurde um 01:09 Uhr MESZ aufgezeichnet. Dieses erreichte nach ersten Angaben Magnitude 5.5.

Update 01:20 Uhr
Es ist eines der stärksten Erdbeben in den vergangenen Jahren im Mittelmeerraum außerhalb der Ägäis. Das Schüttergebiet umfasst ausgehend vom Epizentrum vor Zakynthos einen Radius von über 750 Kilometern. Selbst in der griechischen Hauptstadt Athen, der bulgarischen Hauptstadt Sofia und auf Malta wurden Menschen aus dem Schlaf gerissen.

Update 01:34 Uhr
Auf Zakynthos hat das Beben, wie lokale Medien berichten, verbreitet zu Stromausfällen geführt. Zudem sollen Gebäude beschädigt worden sein. Weitere Details sind noch nicht bekannt.

Update 01:36 Uhr
Das United States Geological Survey hat den Bruchmechanismus des Bebens ermitteln können. Demnach geht das Erdbeben auf die Subduktionszone vor der griechischen Küste zurück. Im Ionischen Meer geht diese teilweise in eine horizontale Verschiebung über, was sich auch in diesem Beben widerspiegelt. Demnach erreichte das Beben Magnitude 6.8, was die Wahrscheinlichkeit eines kleinen Tsunamis, der inzwischen die Küsten erreicht haben dürfte, erhöht.

Update 01:38 Uhr
An der griechischen Küste wurde ein kleiner Tsunami beobachtet, wie das EMSC auf Twitter bestätigt. Die Veränderungen des Meeresspiegels wurden an einer Station in Katakolo (Festland) registriert. Die Küsten des Ionischen Meeres sollten in den kommenden Stunden gemieden und Strände evakuiert werden!

Update 01:53 Uhr

Update 02:04 Uhr
Weitere Schadensmeldungen gehen ein. So wurde auf Zakynthos das Kloster Strofades, eine beliebte Touristenattraktion auf der Insel, größtenteils zerstört. Der Turm sei eingestürzt. Das genaue Ausmaß ist aufgrund der Dunkelheit zur Zeit noch nicht bekannt.

Update 02:24 Uhr
Um 02:06 Uhr folgte ein weiteres, deutlich spürbares Nachbeben mit Magnitude 4.6. Beben dieser Stärke werden in den kommenden Tagen häufiger auftreten.

Update 02:50 Uhr
Auf der Peloponnes-Halbinsel hat das Erdbeben ebenfalls zu Schäden geführt. Lokale Behörden melden, dass in Pyrgos ein Gebäude beschädigt wurde. Zudem bildeten sich Risse in einer Brücke in Kavasila.

Update 03:00 Uhr
Auch viele Touristen waren vom Erdbeben betroffen. Es gibt Berichte über Hotels auf Zakynthos, die evakuiert wurden, aber auch viele Urlauber freiwillig die Nacht im Freien verbringen. Schäden an Hotels wurden bislang allerdings nicht festgestellt.

Update 08:45 Uhr
In den letzten Stunden dauerte die Sequenz teilweise starker Nachbeben (bis Magnitude 5) weiter an.
Die Schäden durch das Hauptbeben sind inzwischen näher ermittelt. Wie Behörden und Medien berichten, sind viele Orte auf Zakynthos betroffen. In zahlreichen Wohnhäusern und Geschäften bildeten sich Risse, Teile der Fassaden stürzten herab und Fenster zerbrachen. Glücklicherweise scheint bei dem Erdbeben niemand verletzt worden zu sein. Es gibt nur wenige eingestürzte Gebäude, bei denen es sich ausschließlich um unbewohnte Häuser handelt.
In den meisten Inselteilen ist die Stromversorgung nach den Ausfällen der Nacht inzwischen wieder hergestellt.
Der Tsunami hat zu keinen Schäden geführt. Am griechischen Festland erreichte er eine Wellenhöhe von rund 30 Zentimetern. Auch an der italienischen Küste detektierten ihn die Messstationen.

Update 09:28 Uhr
Auch die Westküste des Peloponnes war stärker vom Erdbeben betroffen als bisher angenommen. Inzwischen sind in mehreren Orten Gebäudeschäden bestätigt. Ein antiker Tempel soll teilweise eingestürzt sein. Insgesamt halten sich die Gebäudeschäden jedoch, ähnlich wie auf Zakynthos, in Grenzen. Eine Frau aus dem Ort Gastouni wurde leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. Sie wurde innerhalb ihrer Wohnung von herabstürzenden Gegenständen getroffen.

Update 14:42 Uhr
Eine detaillierte Auswertung des Erdbebens ist hier zu finden.

Zeugenmeldungen
Kyllini
sind auf Campingplatz. Die Wohnmobile haben deutlich geschwankt, wodurch die Leute aufgewacht und auf die Straße gelaufen sind. Dauer ca. 30s. Schwer zu schätzen. (Intensität III)

Pilos
Liegend im Hotel.2 Uhr nachts Gebäude hat mehrere Sekunden erst leicht dann stark gerüttelt. (Intensität V)

Keri
Im Bett liegend konnte nicht einschlafen (ca. 1:30 Uhr), dachte aufeinmal jemand zieht an meinem Bett.
Plötzlich wackelte das ganze Haus. Ein Grollen war zu hören und mir wurde bewusst, dass dies ein stärkeres Erdbeben ist, das erste in meinem Leben. Ich verließ das Haus um draußen zu schauen ob alles in Ordnung ist. Die Hunde bellen immer noch in der Nachbarschaft und es gab mindestens drei Nachbeben – Uhrzeit jetzt 2:39 Uhr. (Intensität V)

Karavados
Seit ca. 01:20 Ortszeit: liegend im Bett, starke Erschütterung und angehoben werden. Knackende Geräusche im Haus (Holzbauweise) Ca. 30 Min. später weitere Erschütterung, wecke Partner, verlasse das Haus. Starke Wogen im Pool, Dysbalance im Stehen. Fenster klappern im Rahmen.
Bis jetzt 02:56 Nachbeben von unterschiedlichster, teils abnehmender Stärke. (Intensität II)

Kefalonia
Wir sind um ca. 1.30 Uhr durch das Beben aufgewacht. Unser ganzen Ferienhaus schwankte ca. 15 -20 min. (Intensität V)

Zakynthos-Stadt
Mein erstes Erdbeben, ich war furchtbar nervös und habe aktuell Symptome von ‚Seekrankheit’. Lage hat sich beruhigt, das Beben mit 6,8 haben wir sehr deutlich gespürt – das ganze Haus hat gewackelt und man hatte lautes Grollen gehört. Waren jetzt zwei Stunden draußen auf dem Rathausplatz, wo viele Menschen Schutz suchten. Teilweise sind Fassaden von Häusern runtergekracht, Risse in Wohnhäusern, viele Geschäfte sahen drinnen komplett verwüstet aus (leere Regale, etc.) Man könnte viele kleine Nachbeben unterschiedlicher Intensität spüren, aktuell sind wir noch wach und es bebt weiterhin, zum Glück sehr kurz. (Intensität VII)

Tsilivi
Gegen 1:15 war das Vorbeben zu Spüren, es hat sich im Bett unseres im 1. Geschossbefindlichen Hotelzimmers laut meiner Frau wie ein Auffahrunfall angefühlt. Das zweite starke Erdbeben kam völlig ohne Vorwarnung und hat mich auch aus dem Schlaf gerissen. Man wurde im Bett hin und her geschüttelt, gefühlt dauerte dies Minuten, Gläser, Pflanzen und die Klobürste sind heruntergefallen. Im Putz im Inneren eines Hotelgebäude ist ein langer Riss zu sehen. Am Ende sind wir heruntergelaufen und trafen andere teils panische Hotelgäste. Informationen gab es keine, die Hotelmitarbeiter hats auch völlig unvorbereitet getroffen, diese waren ähnlich schockiert wie wir. Wir haben uns über diese Seite und der US-Erdbebenseite auf dem Laufenden gehalten. Die Nachbeben sind im Tagesverlauf deutlich weiter spürbar und treten gefühlt stündlich auf. Uns geht es soweit gut, bis auf den Riss und umgefallene Gegenstände sind auf dem Gelände des Hotels keine Schäden vorzufinden. Trotz der Nachbeben ist hier wieder Normalität eingekehrt, wobei die Hotelmitarbeiter noch deutlich vom Beben gekennzeichnet sind. (Intensität VI)

Costa Navarino
Aufgewacht durch Geräusche/Grollen, leichte Möbelbewegung des Bettes und gefühlte und sichtbare Schwankung des 2-stöckigen Gebäudes, die schnell stärker werden und mehrere Minuten andauern. Keine wahrnehmbaren Geräusche durch das Gebäude, gefühlte Intensität sehr stark. Bedenken, ob das Gebäude der Bewegung standhalten kann. (Intensität V)

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Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): 00:54 Uhr

Magnitude: 6.7

Tiefe: 17 km

Spürbar: ja

Schäden erwartet: ja

Opfer erwartet: ja

Ursprung: tektonisch

Tsunami-Gefahr: Ionisches Meer

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Siehe auch: Warum sammeln wir Zeugenmeldungen? und: Wann werden Zeugenmeldungen veröffentlicht??

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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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