Deutschland: Aktuelle Erdbebenserien

Der Juni 2019 war in Deutschland bisher ein relativ aktiver Monat. Hauptgrund dafür sind diverse kleine oder weniger kleine Erdbebenserien in verschiedenen Teilen des Landes, die besonders in den vergangenen zwei bis drei Wochen die Erdbebenanzahl in die Höhe getrieben haben. Im Folgenden ein zusammenfassender Blick auf diese Erdbebenserien und ihre Ursachen:

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Bad Reichenhall

Seit mehr als vier Wochen dauert bereits der Erdbebenschwarm am Hochstaufen bei Bad Reichenhall an. Mindestens 12 Erdbeben über Magnitude 1 wurden in der Zeit verzeichnet. Die Auflistung kleinerer Beben ist noch unvollständig. Es dürften insgesamt mehrere hundert Erdbeben gewesen sein, die infolge des starken Regens im Gestein unterhalb des bayrischen Bergmassivs ausgelöst wurden. Nur wenige davon waren auch in Bad Reichenhall zu spüren, überwiegend weil die Schüttergebiete aufgrund der geringen Tiefe nur sehr kleine Gebiete umfassten. Dies waren dann in vielen Fällen unbesiedelte Flanken des Berges.
Das letzte spürbare Beben, das direkt am Nordrand der Stadt stattfand, ereignete sich am 16. Juni und erreichte Magnitude 1.3. Generell nahm die Erdbebenanzahl in den letzten zwei Wochen ab. Doch können auch in den kommenden Wochen und Tagen noch neue Beben auftreten.

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Gaienhofen

Eine kleine Erdbebenserie tektonischen Ursprungs findet seit einigen Wochen im Untersee, einem der westlichen Teile des Bodensees, statt. Die Epizentren der meisten Beben liegen nur wenige hundert Meter vom Uferbereich statt. Die nächst gelegene Gemeinde ist der Baden-Württembergische Ort Gaienhofen im Landkreis Konstanz. Insgesamt 5 Beben über Magnitude 1 traten seit Mitte Mai auf. Mit Magnitude 1.9 war bereits das erste Beben das stärkste, wenn es auch nicht verspürt worden ist. Zuletzt bebte es noch zweimal mit Magnitude 1.1 und 1.3 am Morgen des 18. Juni. Wahrscheinlich sind noch einige schwächere Beben unter Magnitude 1 undetektiert geblieben.
Diese Erdbebenserie korreliert zeitlich mit einer generellen Phase erhöhter Erdbebenaktivität im Südwestteil des Bodensees. Diese Aktivität gipfelte bisher im einzigen spürbaren Beben mit Stärke 3.0 im Schweizerischen Kanton Thurgau am 5. Juni.

Rheinau

Ein paar kleine Fragezeichen stehen noch hinter der Ursache des Erdbebenschwarms in Rheinau (Baden-Württemberg) im deutsch-französischen Grenzgebiet, auch wenn entgegen früher Meldungen viel für einen natürlichen Ursprung spricht.
Die Universität Straßburg und der Erdbebendienst Südwest registrierten in den vergangenen sieben Tagen insgesamt sechs kleine Erdbeben zwischen Magnitude 0.7 und 1.4, die sich in verhältnismäßig geringer Tiefe von nur rund 6 Kilometern ereignen. Entsprechend der Tiefe und aufgrund der räumlichen Nähe zu einer Geothermieanlage im Frankreich, die im vergangenen Jahr bereits Mikrobeben induzierte, waren diese Beben zunächst als induzierte Ereignisse gekennzeichnet.
Verspürt werden konnten die Beben aufgrund der geringen Größe bislang nicht. Das bisher letzte Beben trat am Nachmittag des 18. Juni auf (M1.3).

Insheim

Bei den Erdbeben am Geothermie-Kraftwerk Insheim in Rheinland-Pfalz steht kein Fragezeichen hinter der Ursache. Bereits seit Jahren kommt es an der Anlage immer wieder zu induzierten Erdbeben, die in den meisten Fällen so schwach sind, dass sie nicht verspürt werden können. So auch in den vergangenen Tagen. Immerhin: Mit insgesamt fünf Beben zwischen M1.1 und 1.4 ist die Seismizität seit Ende Mai erhöht. Erst am heutigen Mittwoch wurde mit M1.1 das bisher letzte Beben der Aktivitätsphase registriert. Weitere Beben in den kommenden Tagen sind entsprechend nicht unwahrscheinlich.

Albstadt

Zu guter letzt sei noch eine kleine, aber für die Region sehr typische Erdbebenserie in Albstadt zu erwähnen, die sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ereignete. Mit insgesamt drei registrierten Beben, das stärkste mit M1.5, lagen alle Beben unter der Spürbarkeitsgrenze. Kleine schwarmartig auftretende Aktivitätsphasen unterschiedlicher Intensität und Dauer werden auf der Schwäbischen Alb immer wieder beobachtet. In seltenen Fällen kann es dabei auch zu spürbaren Erdbeben kommen.

Serien von Mikrobeben sind an vielen Orten Deutschlands typisch, auch wenn man sie vor allem aus dem Vogtland kennt (welches in den letzten Wochen übrigens auch schon aktiv gewesen ist). Wie eigentlich immer bei Erdbeben ist es nicht absehbar, wie sich eine Erdbebenserie entwickelt, wann sie endet oder wie stark weitere Erdbeben werden können. In der Regel endet die Aktivität ohne spürbare Ereignisse. Dennoch kann man für zur Zeit aktive Regionen generell annehmen, dass zumindest spürbare Erdbeben ein wenig wahrscheinlicher sind als normalerweise.


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Jens Skapski

Data Analyst bei Risklayer
Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Sommer 2019 arbeitet er als Data Analyst in Karlsruhe.

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