Live-Ticker: Vogtland-Erdbebenschwarm im April 2021

Anzeige

Luby – Im deutsch-tschechischen Grenzgebiet ist ein neuer Erdbebenschwarm aktiv. Seit Dienstagmorgen kommt es vermehrt zu kleinen Erdbeben, anfangs nur im Bereich unter Magnitude 1. Einzelne Erdbeben wurden verspürt. In der Nacht zu Mittwoch gab es zwei Erdbeben über Magnitude 2. Darauf folgte kurzzeitig rückläufige Aktivität, bevor erst die Erdbebenhäufigkeit und dann auch die Erdbebenstärke am Samstagmorgen deutlich anstieg. Den bisherigen Höhepunkt bildete das bisher stärkste Erdbeben mit Magnitude 3.2 um 10:53 Uhr, das im Umkreis von rund 40 Kilometern verspürt wurde. Am Sonntag (11. April) setzte sich die Aktivität mit niedriger Intensität fort, stieg dann in der Nacht zu Montag wieder deutlich an. Die Folge waren 36 spürbare Erdbeben am Montag bis 6 Uhr. Insgesamt wurden bis Montagmorgen 107 Erdbeben von Anwohnern verspürt.
Alle Infos im folgenden Live-Ticker.

Hinweis: Wie lange der Erdbebenschwarm weiter andauert und wie stark er möglicherweise wird, ist nicht vorhersehbar! Die Dauer von Erdbebenschwärmen im Vogtland variiert zwischen wenigen Stunden und mehreren Wochen. Die meisten Schwärme sind eher klein und verlaufen oft gänzlich ohne spürbare Erdbeben. 

Wie entstehen Erdbebenschwärme im Vogtland?
Voraussetzung für die häufige, teils intensive Schwarmtätigkeit im Vogtland ist ein Zusammenspiel einer alten Magmakammer, vorhandenen tektonischen Störungen und hydrothermale Aktivität. Die Magmakammer eines Vulkankomplexes, der zuletzt vor 200.000 Jahren aktiv war und nun als inaktiv gilt, gibt noch immer Wärme und Gase ans umliegende Gestein ab. Dies führt dazu, dass im Gestein enthaltene Fluide (Wasser) in Bewegung geraten und durch natürlich vorhandene Risse “wandern”. Dies geschieht mal schneller, mal langsamer, abhängig davon, ob eine undurchlässige Gesteinsschicht den Weg blockiert oder nicht.
Diese Fluide bewegen sich auch durch Störungszonen, die durch frühere (und noch anhaltende) tektonische Aktivität im Vogtland entstanden sind.
Geraten die Fluide in eine Störungszone, die unter Spannung steht (was bei fast allen der Fall ist), führt der erhöhte Porenfluiddruck im Gestein zu einer Schwächung der Störung, was die Entstehung eines Erdbebens begünstigt. Da die Fluide in Bewegung sind, tritt dies nicht nur an einem Ort in der Störung auf sondern immer dort, wo gerade hoher Porenfluiddruck ist – ein Erdbebenschwarm entsteht. Dies geschieht so lange, bis ein natürliches Hindernis diesen Prozess stoppt.
Meist treten die Erdbebenschwärme, so wie aktuell, an der Mariánské Lázně Störung, einem Teil der überregionalen Leipzig-Regensburg-Störungszone, auf. Bei großen Schwarmbeben können große Abschnitte der Störungen aktiviert werden und so zu einer großen Verteilung der Epizentren führen.
Die Erdbebenschwärme im Vogtland führen so dazu, dass die Störungszonen regelmäßig entlastet werden, was die Entstehung wirklich starker Erdbeben verhindert. Beben über Magnitude 5 treten innerhalb der Erdbebenschwärme in der Regel nicht auf. Das genaue Zusammenspiel zwischen magmatischer und seismischer Aktivität ist weiter Gegenstand der Forschung und noch nicht komplett entschlüsselt.

Ein lautes Grollen
Erdbeben im Vogtland gehen oft mit einem lauten Grollen oder einem explosionsartigen Knall einher. Auch viele Beben, die zu schwach für spürbare Erschütterungen sind, werden so von Menschen wahrgenommen. Teils ist dieses Grollen, vor allem in Richtung Erzgebirge, noch 40, 50 Kilometer vom Epizentrum entfernt zu hören.
Es entsteht, wenn die hochfrequenten seismischen Wellen des Erdbebens auf die Oberfläche treffen. Dort gibt der schwingende Boden, selbst wenn die Schwingung schwach und nicht spürbar ist, die Schwingung an die Luft weiter – Schall entsteht. Ist die Frequenz hoch genug und liegt bei über 20 Hertz, kann der Mensch dies als tiefes Grollen wahrnehmen.

Tipps
Für den Fall, dass sich der Erdbebenschwarm verstärkt und wie zuletzt im Dezember einige Wochen andauert, haben wir hier ein paar Tipps:

  • Ruhe bewahren! Erdbebenschwärme im Vogtland sind in der Regel ungefährlich. Schäden an Gebäuden sind sehr selten. Kontrollieren Sie dennoch nach jedem größeren Beben ihr Eigentum und überprüfen Sie vor allem Gasleitungen.
  • Lautes Grollen! Aufgrund der geologischen Bedingungen sind selbst kleine Erdbeben für die Bewohner als lautes Grollen zu vernehmen, besonders nachts. Sollte dies den Schlaf beeinträchtigen, greifen Sie auf Ohrenstöpsel zurück.
  • Achten Sie darauf, dass keine zerbrechlichen und potentiell gefährdende Gegenstände herunterstürzen können.
  • Erdbeben und Corona: Trotz Lockdown und möglicher Ausgangssperre können Erdbeben einen wichtigen Grund darstellen, das Haus zu verlassen. Sei es aus Angst oder zur Schadenskontrolle. Meiden Sie dennoch Menschenansammlungen und beachten Sie die üblichen Hygieneregeln.

Wichtige Links und Quellen
Liste aktueller Erdbeben in Deutschland
Erdbebendienst Sachsen (GOC)
Erdbebendienst Thüringen (TSN)
Erdbebendienst Tschechien (GFU)
GFZ Potsdam
Antares (Seismologieverbund Mitteldeutschland)
Zugriff auf Seismogramme
Live-Ticker zum letzten Erdbebenschwarm im Dezember 2020 / Januar 2021
Vogtland: Geologische Aufzeichnungen enthüllen zwei schwere Erdbeben in den letzten 3000 Jahren
Zitation hier verwendeter Seismogramme: Leipzig University. (2001). SXNET Saxon Seismic Network. International Federation of Digital Seismograph Networks. https://doi.org/10.7914/SN/SX

Anzeige

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit (Mitteleuropäische Zeit): seit 6. April 2021

Magnitude: bis M3.2

Tiefe:

Maximalintensität (geschätzt):

Schütterradius (geschätzt):

Schäden erwartet: nein

Ursprung: tektonisch

Lage des Epizentrums

OpenStreetMap

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von OpenStreetMap Foundation.
Mehr erfahren

Karte laden


Größere Karte anzeigen

Übersicht der aktuellen Erdbeben in Deutschland (mit Links zu Erdbebendiensten)

"Erdbeben in Deutschland" auf Facebook.

Quellen (Erdbebendienste) zu allen Erdbebendaten

Quellen zu Erdbebenschäden sind in der jeweiligen "Earthquake Impact Database" aufgeführt.

    Sie haben ein Erdbeben gespürt? Teilen Sie uns bitte Ihre Beobachtungen mit. Bitte geben Sie auch Zeitpunkt (Datum, Uhrzeit) und wenn möglich Intensität und Auswirkungen des Erdbebens (Schäden, bewegte Objekte etc.) an.
    Ihre persönlichen Daten werden nicht veröffentlicht oder weitergegeben!
    Siehe auch: Warum sammeln wir Zeugenmeldungen? und: Wann werden Zeugenmeldungen veröffentlicht??

    Hier finden Sie nach Abschicken Ihrer Meldung weitere Informationen zum verspürten Ereignis.

    Name*

    Ort / Stadt, wo Sie das Erdbeben verspürt haben*

    E-Mailadresse

    Adresse, wo Sie das Erdbeben verspürt haben

    Intensität, EMS 98 geschätzt*

    Zeit, wann Sie das Erdbeben verspürt haben

    Beschreiben Sie ihre Wahrnehmungen

    Hinweis: Mit * markierte Felder müssen ausgefüllt werden