Starkes Erdbeben (M5.6) Java, Indonesien – Viele Todesopfer in Cianjur

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ShakeMap (Berechnete Intensität des Erdbebens in Indonesien):


Epizentrum, ShakeMap und historische Erdbeben der Region auf interaktiver Karte anzeigen

Was ist passiert:

Nahe der indonesischen Hauptstadt Jakarta hat sich am Montagmorgen ein starkes Erdbeben ereignet. Nach ersten Angaben des Indonesischen Erdbebendienstes BMKG erreichte das Beben Magnitude 5.6. Es ereignete sich in geringer Tiefe im Inland der Hauptinsel Java nahe der Stadt Cianjur. Aufgrund der geringen Tiefe erreichten die Erschütterungen dort eine hohe Intensität. Auch in Jakarta wurden die Schwingungen vor allem in den höheren Gebäuden noch stark verspürt.

Erste Meldungen über soziale Netzwerke zeigen, dass in Cianjur und Umgebung viele Gebäude beschädigt wurden. Einige stürzten ein.

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Das Epizentrum des Erdbebens lag in der Nähe des Jatigede-Stausees, wo es bereits in den vergangenen Tagen zu zahlreichen kleineren Beben kam. Mehrere Gebäude wurden vor einer Woche beschädigt, als ein Beben der Stärke 4.1 das nördliche Ufer des Sees traf. Über einen möglichen Zusammenhang zwischen Stausee und Erdbeben gibt es keine Informationen. Zwar kann das Aufstauen von Gewässern Erdbeben auslösen. Doch gehört Java auch ohne Stausee zu den erdbebenreichsten Gebieten der Welt, sodass Erdbeben dieser Art weder ungewöhnlich noch selten sind. Unter anderem befindet sich die Cimandiri-Störung unmittelbar südlich des Epizentrums, deren Verlauf auch mit dem Mechanismus des Bebens übereinstimmt.

Update 08:14 Uhr
Durch die einstürzenden Häuser wurden viele Menschen in Cianjur verletzt. Entsprechende Videos kursieren in Sozialen Netzwerken, die zeigen, wie Menschen von herabstürzenden Trümmern getroffen werden. Einige Personen sind eingeschlossen. An einer Schule in Cianjur stürzten Teile des Gebäudes ein und Fenster zerbrachen. Dutzende Schüler wurden verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert.

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Update 09:08 Uhr
Zahlreiche Menschen sind bei dem Erdbeben ums Leben gekommen. Das Krankenhaus in Cianjur meldete, dass hunderte Verletzte behandelt werden mussten, viele davon aus Platzmangel auf dem Parkplatz vor dem Gebäude. Auch von einigen Todesopfern ist die Rede. Orte in unmittelbarer Umgebung von Cianjur melden ebenfalls Todesföälle durch das Erdbeben. Viele Häuser, darunter Schulen, Supermärkte und Polizeistationen sind eingestürzt. Eine unbekannte Zahl an Menschen wurde unter den Trümmern begraben. Der Katastrophenschutz ist im Einsatz, hat aber noch keine offiziellen Zahlen zu den Verlusten bestätigt.

Erdrutsche, die Straßen zerstörten, blockieren Rettungskräfte. Einzelne Dörfer sollen so weitestgehend von der Außenwelt abgeschnitten sein.

Dass Cianjur so massiv betroffen ist, trotz eher mäßiger Erdbebenstärke, liegt vor allem an den geologischen Bedingungen. Die Stadt liegt in einem beckenartigen Tal, umgeben von Vulkanen. Vulkanische Sedimente, Erdrutschablagerungen und ein hoher Wassergehalt durch das tropische Klima führen dazu, dass der Boden unterhalb der Stadt extrem weich ist. Das Epizentrum des Erdbebens lag westlich des Beckens, vermutlich breitete sich der Bruch Richtung Osten entlang der Cimandiri-Störung aus.

Somit „drückten“ die Erdbebenwellen direkt ins Tal, wurden von den umgebenden Bergen reflektiert und führten so zu einer zusätzlichen Verstärkung. Folgende ShakeMap ergibt sich unter Annahme einer dreimal höheren Verstärkung der Erdbebenwellen in Cianjur. Das Ergebnis stimmt weitgehend mit den beobachteten Effekten überein.

Update 09:52 Uhr
Der Katastrophenschutz bestätigt mindestens 14 Todesfälle in der Regentschaft Cianjur. Demnach sollen weitere 17 Menschen verletzt worden sein. Frühere Meldungen deuteten jedoch bereits an, dass die reale Zahl der Verletzten deutlich höher liegt. Die offizielle Zählung dauert weiter an, ebenso Rettungsaktionen Verschütteter. Für Menschen, die ihre Häuser verloren haben, werden zudem Notunterkünfte eingerichtet.

Update 10:27 Uhr
Die Opferzahl steigt weiter. In Cianjur wurden mindestens 44 Menschen getötet, rund 700 weitere verletzt. Zudem sind hunderte Gebäude eingestürzt. Es kann zur Zeit nicht ausgeschlossen werden, dass noch mehr Menschen unter den Trümmern liegen.

Update 10:48 Uhr
Unter den inzwischen 46 bestätigten Todesopfern befinden sich vor allem Personen, die durch einstürzende Gebäude erschlagen wurden. Eine Person starb zudem, als ein Erdrutsch ihr Auto erfasste.

Aktuelles aus der Region  Starke Erdbebenserie (bis M6.2) Papua, Indonesien

Betroffene Städte, Orte

Stadt Land Intensität (EMS-98) Bewohner Entfernung Epizentrum (km) Beschreibung
Cianjur ID 6.6 175000 10.1 leichte Schäden
Ciranjang-hilir ID 6.4 77800 23.0 leichte Schäden
Ngamprah ID 6.3 unb 25.2 leichte Schäden
Sukabumi ID 6.2 276400 16.1 leichte Schäden
Takokak ID 5.8 unb 23.9 stark spürbar, geringe Schäden
Cileungsir ID 5.7 202200 50.3 stark spürbar, geringe Schäden
Depok ID 5.6 1198100 55.0 stark spürbar, geringe Schäden
Cibinong ID 5.6 188700 45.2 stark spürbar, geringe Schäden
Bogor ID 5.5 800000 39.6 stark spürbar, geringe Schäden
Parung ID 5.5 193900 58.1 stark spürbar, geringe Schäden

Aktuelle Erdbebenaktivität nahe Cianjur:

In den vergangenen 30 Tagen wurden in Java, Indonesien (Kartenausschnitt) 20 Erdbeben über Magnitude 3.3 registriert. Damit war die Erdbebenaktivität im vergangenen Monat dort deutlich niedriger als im langjährigen Vergleich (über 20 Prozent Abweichung).

Zusammenfassung der Erdbebendaten:

FAQ: Wie entstehen Erdbeben? Wann sind Erdbeben gefährlich? Wie kann ich mich schützen?

Was sind Störungen, was sind Platten? Wichtige Begriffe erklärt

Erdbebenmessung im Wohnzimmer: Professionelle Seismometer für Experten und Laien (Gesponsert)

Allgemeine Informationen zu diesem Erdbeben:

Uhrzeit / Time (CET): 21. November, 7:21 Uhr

Magnitude: 5.6

Tiefe / Depth: 10 km

Spürbar / Felt: ja / yes

Schäden erwartet / Damage expected: ja / yes

Opfer erwartet / Casualties expected: nein / no

Ursprung / Origin: tektonisch

Tsunami: ja

Quellen (Erdbebendienste) zu allen Erdbebendaten / List of global earthquake surveys

See also: The most complete compilation of earthquake losses and casualties: Earthquake Impact Database

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    Erdbebendaten: BMKG

    Statistik:

    Seit 1960 gab es in der Region etwa 154 Erdbeben, die stärker waren als Magnitude 5.6. Durchschnittlich gibt es in dem Teil von Indonesien (nahe Cianjur) 2.58 Erdbeben der Stärke 5.6 oder höher pro Jahr. Damit ist die Erdbebenaktivität in der Region normalerweise sehr hoch und Beben dieser Stärke haben eine durchschnittliche Wiederkehrperiode von etwa 4.7 Monaten (141 Tagen).

    Übersicht der stärksten Erdbeben im Kartenausschnitt* (Indonesien und Umgebung)

    Datum Magnitude Tiefe (km)
    17.7.2006 7.7 20
    8.8.2007 7.5 280
    15.12.1963 7.0 662
    2.9.2009 7.0 46
    15.2.1994 6.9 23
    2.8.2019 6.9 49
    25.10.2000 6.8 38
    28.9.1994 6.6 638
    14.1.2022 6.6 33
    19.10.2016 6.6 614

    *Daten: USGS-Katalog (ab Magnitude 5, seit 1960)
    Hinweis: Der Erdbebenkatalog enthält neben natürlichen auch induzierten Erdbeben. Dazu zählen zum Teil auch Sprengungen und Explosionen. Somit sind einzelne „falsche“ Erdbeben in der Darstellung möglich. Auch die Magnitudenangabe einzelner Erdbeben kann aufgrund von Katalogunterschieden variieren.