Zurück ins Nichts?

Mit der katastrophalen Erdbebensequenz auf Lombok, einem ultratiefen, sehr starken Erdbeben bei Fidschi und weiteren großen Beben in Venezuela, Peru und anderen Orten wurde der August zu einem der erdbebenreichsten Monate der vergangenen Jahre. Eine Erdbebenhäufung, die weltweit Schlagzeilen machte und zu Verwunderung und Angst führte. Ziemlich genau einen Monat ist es her, da habe ich mich zum Schreiben des Textes „Ein Ende der Erdbebendürre?“ (nur für registrierte Benutzer lesbar) hinreißen lassen. Zum einen, weil in sowieso schon stressigen Zeiten die im Text zitierten „Erdbebenpropheten“, die aus der Erdbebenhäufung Profit auf Kosten Anderer schlagen wollten, meine Nerven zusätzlich strapaziert haben – Faktenschaffen durch Frustbewältigung – aber auch, weil die vorangegangenen Wochen dies notwendig machten. Wo eine signifikante Häufung starker Erdbeben weltweit Fragen aufwarf und Menschen beunruhigte. Wo die Sorgen der Menschen die Fantasie von Schreiberlingen beflügelte, die daraufhin zur Vermüllung des Internets beigetragen haben.

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Von der Erdbebenhäufung, den prognostizierten weltweiten Megabeben, Kettenreaktionen, Supervulkanausbrüchen und säurespuckenden Einhörnern ist heute in den Aufzeichnungen nichts (mehr) zu sehen. Betrachtet man die vergangene Kalenderwoche (38) könnte man den Eindruck bekommen, die Erdbebendürre habe niemals aufgehört. In allen Magnitudenbereichen lag die Erdbebenanzahl deutlich unter dem Durchschnitt der letzten Jahre (Details sind der unterhalb stehenden Grafik zu entnehmen). Dass auf dieser Seite bis zum Sonntag kein neuer Beitrag veröffentlicht worden ist, spricht auch für das Ausbleiben von signifikanten Beben.

Abbildung 1: Anzahl der wöchentlichen Erdbeben verschiedener Größenordnungen in den letzten zehn Kalenderwochen. Datenquellen: emsc-csem.org / geofon.gfz-potsdam.de

Mit Mw5.9 inmitten des Indischen Ozeans als stärkstem Beben und weiteren, ähnlich starken in unbesiedelten Gebieten war der Höhepunkt der Woche erreicht. Zu (geringfügigen) Schäden führte lediglich das Erdbeben in der Dominikanischen Republik am Sonntag sowie ein kleines, nicht detektiertes Erdbeben im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh am Mittwoch. Im Jahresdurchschnitt sind es fünf Schadensbeben pro Woche. Auch innerhalb Deutschlands spielte sich in dieser Woche (wie aber auch schon, unabhängig vom globalen „Erdbebensturm“, in den Wochen zuvor), wenig bis garnichts ab. Hier steht nur ein kleines ML1.2 bei Lörrach zu Buche, erst das fünfte Erdbeben im schon fortgeschrittenen Monat September.

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Im Text zum möglichen Ende der Erdbebendürre vom 22. August, Mittwoch, Kalenderwoche 34, schrieb ich von möglichen Szenarien, wie sich die Situation weiter entwickeln könnte (mit dem Hinweis, dass man die tatsächlich Entwicklung, entgegen der Meinung gehypeter Spinner, aber nicht vorher erahnen kann):

„Vielleicht war das M6.2 heute Mittag das letzte dieser Größe für mehrere Wochen. Vielleicht dauert die Erdbebendürre an und wir erleben das ruhigste Erdbebenjahr seit Aufzeichnungsbeginn. Vielleicht steht uns aber auch ein aktiver Herbst bevor und 2018 endet doch noch mit durchschnittlicher oder sogar überdurchschnittlicher Aktivität.“

Schon Kalenderwoche 35, siehe oben stehende Grafik, rutschte wieder unter den Durchschnitt, wodurch der Trend in Richtung „ruhigstes Erdbebenjahr seit Aufzeichnungsbeginn“ ging. Die folgenden Wochen revidierten diesen Eindruck ein wenig. Von signifikant erhöhter Aktivität konnte aber nicht die Rede sein. Nun rutschte Woche 38 schon wieder unter den Durchschnitt. Deutlicher als in den Wochen zuvor, wo die „Erdbebendürre“ überwiegend die höheren Magnituden betraf.

Fazit: Die seismisch aktiven August-Wochen stellten sich – Überraschung! – NICHT als Vorboten weiterer, noch größerer Katastrophen heraus, wie Menschen mit gestörtem Reichweiten-Kompetenz-Verhältnis versicherten. Stattdessen hat die Statistik mal wieder gewonnen und bewiesen, dass solche kurzfristigen, signifikanten Abweichungen vom Mittelwert nichts anderes sind als kurzfristige, signifikante Abweichungen vom Mittelwert, unabhängig davon, in welche Richtung der Ausreißer zeigt. Ebenso wie die langfristigen Abweichungen („Erdbebendürre“) nur langfristige Abweichungen sind, die es ebenso auch in die andere Richtung gibt. 2011 und 2012 sind hier als Beispiele zu nennen. Fluktuationen, die auftreten, weil Erdbeben global zu 99% ohne Muster und gegenseitige Beeinflussung auftreten. Heißt auch: Egal was gestern war, du weißt nicht, was morgen sein wird.


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Jens ist 24 und studiert seit 2013 an der Ruhr-Uni Bochum Geowissenschaften. 2011 hat er mit einem privaten Erdbebenblog begonnen, aus dem sich später erdbebennews.de entwickelt hat. Er hat journalistische Erfahrungen und interessiert sich seit der Kindheit für Geologie, Meteorologie und Naturkatastophen.

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