Schadenserdbeben: April 2019 neuer Rekordmonat

In den vergangenen Monaten haben wir auf unserer Seite bereits häufiger über sie geschrieben, obwohl sie in der Öffentlichkeit aus guten Gründen kaum präsent ist: Die seit mehreren Jahren andauernde Erdbebendürre. Ein Begriff, der darauf basiert, dass in den vergangenen Jahren die Gesamtzahl starker Erdbeben rückläufig war. Besonders deutlich wird dies, wenn man die Zahl mit den Anfangsjahren des 21. Jahrhunderts vergleicht, als innerhalb weniger Jahre überdurchschnittlich viele starke Erdbeben registriert worden sind. Eine Aktivitätsphase, wie sie sich bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts ereignet hat und den normalen statistischen Schwankungen nicht regelmäßig auftretender Ereignisse geschuldet ist.

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Monatliche Anzahl der Schadensbeben seit 2013 (Stand: 4. Mai 2019)

Die Wende von hoher zu niedriger Aktivität machte sich zuletzt bereits durch die längste Phase ohne starkes Erdbeben seit über 40 Jahren bemerkbar. Ebenfalls beeinflusst von der Erdbebendürre ist die Anzahl der Schadensbeben, die seit dem Beginn unserer Aufzeichnungen (2013) relativ stetig abgenommen hat. Während in den ersten zwei Jahren die durchschnittliche Anzahl der Schadensbeben bei rund 30 pro Monat lag, waren es seit 2017 nur noch etwas mehr als 20. Der April 2019 stellte den bisherigen Tiefpunkt dar: Trotz zweier recht folgenschwerer Beben auf den Philippinen, darunter das bislang tödlichste und zerstörerischste des Jahres am 22. April, konnten wir lediglich 12 Schadensbeben nachweisen. So wenige Schadensbeben hatte es innerhalb eines Monats seit Aufzeichnungsbeginn nicht gegeben. Zuvor war der Juni 2018 mit 14 Schadensbeben der Rekordmonat.

Weltweite Schadensbeben im April 2019 (Stand: 4. Mai 2019)

Nicht unbedingt der Anzahl der Beben geschuldet, sondern eher dem bisherigen Ausbleiben eines wirklich großen, gefährlichen Erdbebens ist auch die Gesamtzahl der Erdbebenschäden weltweit in diesem Jahr bisher deutlich hinter der des Vorjahres, auch wenn der frühe Zeitpunkt noch keinen aussagekräftigen Vergleich erlaubt. Mit einem Impakt-Wert* von 3,05 betragen die Gesamtschäden durch Erdbeben 2019 nur 2,3% der Menge des Vorjahres. Zum Vergleich: Allein das Erdbeben auf der indonesischen Insel Sulawesi im September 2018 verursachte 15x mehr Verluste als alle Beben 2019 (Impakt-Wert: 4,14).

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Eine Dürre, die auf jeden Fall keine negativen Auswirkungen hat, aber auch keine Garantie für irgendwas ist.

Dennoch zeigt sie, dass der noch immer häufig vertretende Eindruck weltweit zunehmender Erdbebenaktivität, der von vielen Menschen auch verbreitet wird, keine Grundlage hat. Bis 2013 möglicherweise noch nachvollziehbar, aber auch damals schon kein Trend, sondern nur eine statistische Schwankung gewesen, gibt es heute keinen Grund mehr, diesem Irrglauben zu folgen. Schwankungen der Erdbebenaktivität wird es immer geben. Mal wird die Zahl der Beben kurz- oder längerfristig erhöht sein, mal, so wie jetzt, wird sie niedrig sein. Sowohl auf globaler Ebene als auch lokal sind diese zeitlichen Variationen zu beobachten und müssen nicht parallel verlaufen. So erlebt auch Kalifornien zur Zeit einen ungewöhnlich langen Zeitraum ohne schwere Erdbeben, während sie sich im Iran zuletzt häuften.


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*Der Impakt-Wert beschreibt die Schäden und Verluste, die direkt und indirekt (z.B. durch Erdrutsche oder Tsunamis) einem Erdbeben zuzuschreiben sind. Der Wert folgt einer logarithmischen Skala und errechnet sich aus der normalisierten Anzahl an beschädigten Gebäuden sowie aus der normalisierten Opferzahl. Werte unter 1 beschreiben geringe Schäden, während Beben mit katastrophalen Auswirkungen Werte von 4 oder höher erreichen. Theoretisch ist die Skala nach oben offen, aber sachlich durch das Verlustpotential einer Region begrenzt.
Der Impakt-Wert erlaubt ökonomisch unabhängige, überregionale Vergleiche der Auswirkungen von Erdbeben. 
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Jens ist 25 und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Ab Sommer 2019 ist er in der Katastrophenforschung tätig.

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