Jahresrückblick: Die Erdbeben in Deutschland 2018

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Baden-Württemberg, erdbebenreichstes Bundesland

Müllheim – Britzingen (4. Mai 2018)
War gerade gegen 23.30 ins Bett gegangen (im 1. Stock eines Einfamilienhauses am Hang), als ein dumpfer Schlag mit anschließendem Wackeln des Bettes (ca. 3 Sekunden) mich wieder aus dem Bett schießen ließ. Ich dachte sofort an ein Erdbeben. Ich suchte meinen Mann, der sich noch im Erdgeschoß aufhielt. Er hatte nur einen Knall/Grollen wahrgenommen. Wir gingen durch das ganze Haus und außen herum, fanden aber keine Ursache. Ich blieb noch eine Weile auf und „lauschte“ auf weitere Geräusche. (Intensität IV)

Auch in diesem Jahr: Baden-Württemberg ist das Bundesland mit den meisten tektonischen Erdbeben in Deutschland. 73 Mal registrierte der Erdbebendienst Südwest ein Beben mit Magnitude 1 oder höher. Nur in Nordrhein-Westfalen (und natürlich im tschechischen Grenzgebiet) lag die Gesamtzahl der Beben durch zuvor beschriebene Umstände nochmals deutlich höher.
Allerdings liegt Baden-Württemberg bei der Zahl der Beben ab Magnitude 2 hinter einigen Bundesländern. Nur vier Mal trat ein solches Beben auf, nur drei waren verspürt worden. Trotzdem sind zwei dieser Beben in den Top 5 der stärksten Beben Deutschlands 2018 vertreten.

Mit Magnitude 3.5 war das Erdbeben am 4. Mai, bzw. in der Nacht zum 5. Mai in Neuenburg, nahe der französischen Grenze, das stärkste tektonische Erdbeben auf deutschem Staatsgebiet (berücksichtigend, dass die Vogtland-Erdbeben ihr Epizentrum in Tschechien hatten). Stark genug, um zahlreiche Menschen zu später Stunde aus den Betten zu reißen. Aufgrund der Herdtiefe von 15 Kilometern, klassisch für den Abschnitt des Oberrheingrabens, war das Schüttergebiet relativ groß, die Maximalintensität aber begrenzt. Niedriger als bei allen anderen Beben über Magnitude 3 in Deutschland in diesem Jahr.
Richtungsabhängig konnte das Beben zwischen 35 und 85 km weit verspürt werden und betraf damit auch Teile von Frankreich und der Schweiz. Wahrgenommen wurde es im gesamten Oberrheingraben zwischen Lahr und Basel, im südlichen Schwarzwald, am Hochrrhein und im Süden der Schwäbischen Alb. In Frankreich war zudem der Süden der Vogesen betroffen. Nördlich des Epizentrums entlang des Rheins, erreichten die Erschütterungen die Maximalintensität III bis IV. Schäden hat dieses Erdbeben keine verursacht. Zu diesem Zeitpunkt war es das deutschlandweit stärkste Erdbeben seit 2015. Insgesamt erhielten wir 133 Wahrnehmungsmeldungen aus Deutschland. Für folgende Karte sind zudem die Wahrnehmungsmeldungen des EMSC verwendet, um die Isoseisten in Frankreich und der Schweiz zu ermitteln.

Abb. 5: Isoseistenkarte des Erdbebens (ML3.5) in Neuenburg am 4. Mai 2018 (Daten: erdbebennews.de / emsc-csem.org

Das Schüttergebiet des Neuenburg-Bebens überlappt sich mit dem des zwei Monate früher stattgefundenen Herrischried-Beben. Mit Epizentrum im südlichen Schwarzwald, Magnitude 3.0 und einer Herdtiefe von 19 Kilometern waren die Erschütterungen besonders am Hochrhein deutlich zu spüren, aber auch unmittelbar am Epizentrum. Intensität III war hier der Maximalwert. Das gesamte Schüttergebiet umfasste bis zu 30 Kilometer, bis in größere Distanzen vor allem entlang des Rheins, von wo die meisten der erhaltenen 30 Meldungen stammen. Wie das Neuenburg-Beben, ereignete sich auch dieses Beben gegen Mitternacht, sodass viele Menschen aus dem Schlaf gerissen wurden – andere es dafür verschlafen haben.

Verschlafen war beim Bisingen-Beben am 10. Februar nicht das Problem. Das drittstärkste Beben in Baden-Württemberg des Jahres war aufgrund der geringen Magnitude (2.2) nur sehr vereinzelt im Zollernalbkreis zu spüren, nur Intensität II wurde erreicht. Für den Zollernalbkreis, der mit insgesamt 18 Beben aufgrund einer kleinen Serie im Oktober geringfügig mehr Aktivität verzeichnete als in den Vorjahren, war es das stärkste Beben und damit das dritte Jahr in Folge ohne weiträumig spürbares Beben.
Die Verteilung der Erdbeben in Baden-Württemberg war in diesem Jahr ziemlich gleichmäßig im Süden und Westen des Landes. Schwarmereignisse wie zuletzt in Hilzingen blieben dieses Jahr aus. Eine große Überraschung, bzw. ein ungewöhnliches Erdbeben war allerdings nicht dabei. Die geographische Verteilung zeigt sich auch in der Liste der stärksten Beben: Die ersten neun ereigneten sich in neun verschiedenen Landkreisen.
Mit Magnitude 1.4 ereignete sich am 28. September das tiefste, tektonische Beben des Jahres (32 km Tiefe) in Rot an der Rot. Lediglich die beiden magmatischen Beben in der Eifel im Frühsommer hatten größere Tiefen.
Am Hochrhein und im äußersten Südosten des Landes waren im Januar und Februar zwei Beben wahrnehmbar, deren Epizentrum im österreichischen Bundesland Vorarlberg lag (beide M3.9), teils noch bis in eine Entfernung von 120 km zum Epizentrum spürbar.

Die 10 stärksten Erdbeben in Baden-Württemberg 2018

Datum Epizentrum Magnitude
4. Mai Neuenburg, Breisgau-Hochschwarzwald 3.5
12. März Herrischried, Waldshut 3.0
10. Februar Bisingen, Zollernalbkreis 2.2
12. November Meßkirch, Sigmaringen 2.0
10. März Ammerbach, Tübingen 1.9
28. Mai Tettnang, Bodenseekreis 1.9
17. März Bad Bellingen, Lörrach 1.8
17. November Urbach, Rems-Murr-Kreis 1.8
13. Januar Hemsbach, Rhein-Neckar-Kreis 1.7
24. Oktober Albstadt, Zollernalbkreis 1.7

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