Katastrophen, Rekorderdbeben und menschengemachte Schadensbeben: Jahresrückblick 2017

Dezember: Immer wieder Iran, Panik in Teheran
Zehn Beben über Magnitude sechs, davon drei während einer harmlosen Erdbebenserie in Mikronesien. Das letzte bereits am 15. Dezember und somit eine recht aktive erste Monatshälfte.
Ein Monat, in dem sich das Leid im Iran fortgesetzt und ausgebreitet hat. Von den 22 Schadensbeben des Monats ereigneten sich zwölf, also mehr als die Hälfte im Iran. Besonders signifikant war eine starke Erdbebenserie mit drei Beben über Magnitude sechs, die am 1. Dezember in der Provinz Kerman begonnen hat und viele Dörfer zerstört hat. Zum genauen Ausmaß der Schäden gibt es wenig Daten. Offenbar sind hunderte Gebäude eingestürzt, über 2000 Menschen wurden obdachlos. Außerdem gab es 143 Verletzte. Glück hier, dass die Erdbebenserie eine sehr dünn besiedelte Region getroffen hat.

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Bei einem weiteren Erdbeben im Iran stellt sich wieder die Frage, ob die zuvor genannte Erdbebenserie als Trigger fungiert haben könnte. Denn erneut war die Region Kerman betroffen, allerdings lag das Epizentrum direkt unterhalb der Stadt Kouhbanan. Dies machte dieses Beben zum folgenschwersten des Monats. Fast 2000 Gebäude sind durch das M5.2 am 21. Dezember zerstört worden. Es gibt 8500 Obdachlose und 42 Verletzte (Impakt-Wert 1,99). Ein Nachbeben am 25. führte zu weiteren Verletzten und Schäden.

Betrachtet man nur die psychische Situation der Betroffenen, war das Erdbeben, das die Iranische Hauptstadt Teheran am 20. getroffen hat, wohl das schlimmste des Monats. Mit Magnitude 5.2 war es nicht das katastrophale Beben, das seit Jahrzehnten wegen der langanhaltenden Ruhephase seit dem letzten großen Beben prognostiziert wird. Doch es reichte, um viele der über 10 Millionen Einwohner in Panik zu versetzten und die Stadt zumindest kurzzeitig ins Chaos zu stürzen. Blockierte Straßen, Hamsterkäufe und Gerüchte erschwerten die Situation. Dass viele Bewohner die Nächte aus Angst vor weiteren Beben in Autos verbracht haben, hat zusätzlich zu einer Verschärfung der sowieso schon kritischen Luftverschmutzung in Teheran geführt.
Infolge der Panik kamen zwei Menschen ums Leben, 117 weitere wurden verletzt. Das Beben selbst soll rund 1300 Gebäude leicht beschädigt haben, offizielle Daten gibt es allerdings nicht.
Um die Situation zu beruhigen, haben die Behörden wenige Tage nach dem Beben durchgegriffen, und mehrere Menschen, die im Internet ein bevorstehendes Katastrophenbeben (mit exaktem Zeitpunkt) prognostiziert haben, festgenommen. (Die „Prognose“ ist natürlich nicht eingetroffen)
Neue Panik kam nur knapp eine Woche später, am 26., auf, als ein Nachbeben (M4.2) folgte. Eine ähnliche Situation wie beim Hauptbeben. Durch die Panik starb eine weitere Person, wieder gab es 75 Verletzte. Es ist zu befürchten, dass sich die unruhige Situation auch ins neue Jahr fortsetzt.

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Wie sehr sich die landesweite Erdbebensituation auf die Bevölkerung in der Hauptstadt auswirkt, ist nicht bekannt. Doch ist es nicht verborgen geblieben, dass moderate Beben bereits Anfang des Monats die Provinzen Gilan, Buschehr und West-Aserbaidschan getroffen haben. In allen drei Fällen kam es zu Schäden und Verletzten. Zum Monatsende haben weitere Beben die Städte Schuschtar und Schiraz im Süden des Landes getroffen, allerdings ohne dass Auswirkungen bekannt wurden.

Außerhalb des Irans ereignete sich das größte Beben des Monats auf der Indonesischen Insel Java. Am 15. Dezember kamen durch das Beben der Stärke 6.5 vier Menschen uns Leben, hunderte Gebäude wurden zerstört (Impakt-Wert 1,65).

Übersicht
Seite 1: Zahlen und Fakten
Seite 2: Januar – Jahrhundert-Beben in Madagaskar, Fracking-Rekord in China
Seite 3: Februar – Erste Katastrophe für die Philippinen
Seite 4: März – Panik in Rangun, Jahresrekord für glückliches Yunnan
Seite 5: April – Rekord in Botswana, Starkbebenserie auf den Philippinen
Seite 6: Mai – Erste Katastrophen für Iran und China
Seite 7: Juni – Doppelschlag für Guatemala, erstes Griechenland-Beben
Seite 8: Juli – Zweite Katastrophen für Philippinen und Griechenland
Seite 9: August – Katastrophe in Sichuan – Unglück auf Ischia
Seite 10: September – Katastrophenmonat in Mexiko
Seite 11: Oktober – Schwarmbeben in Indonesien
Seite 12: November – Todesbeben im Iran mit Langzeitwirkung
Seite 13: Dezember – Immer wieder Iran, Panik in Teheran
Seite 14: Zusammenfassung und Statistiken

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Jens Skapski

Data Analyst bei Risklayer
Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Sommer 2019 arbeitet er als Data Analyst in Karlsruhe.

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