Katastrophen, Rekorderdbeben und menschengemachte Schadensbeben: Jahresrückblick 2017

September: Katastrophenmonat in Mexiko
Eines dieser Erdbeben hätte gereicht, um die Schadensbilanz des gesamten Jahres deutlich anzugeben. Doch möglicherweise nicht ganz zufällig folgte auf das erste katastrophale Erdbeben nur 12 Tage später direkt das nächste.
Mit Magnitude 8.1 war das Erdbeben am 8. September im Süden von Mexiko das schwerste weltweit seit zwei Jahren. Man kann schon fast sagen, die betroffene Region hatte Glück im Unglück. Statt der Seismischen Lücke vor der Küste, in der in naher Zukunft ein Erdbeben über Magnitude 8 erwartet worden ist, brach eine tiefer gelegene Region der subduzierten Platte unterhalb von Chiapas. Zwar war die Intensität dennoch zerstörerisch (IX), doch der resultierende Tsunami hatte nur eine Wellenhöhe von 175 Zentimetern, was nur zu geringen Schäden geführt hat. Dennoch führte das Erdbeben zu 101 Todesopfern.
Statistisch gesehen ist es extrem unwahrscheinlich, dass zwei schwere Erdbeben im selben Land binnen zwei Wochen auftreten und nicht miteinander verbunden sind. So wird es noch Gegenstand der Forschung sein, wie genau es am 20. September, am Jahrestag des katastrophalen M8.0 Erdbebens, nahe Mexiko-City zu einem Beben der Stärke 7.1 kommen konnte.
Während Chiapas relativ dünn besiedelt ist, traf dieses Erdbeben ein Ballungsgebiet und brachte hohe Intensitäten (VIII) in mehreren Groß- und Millionenstädten. Entsprechend war die Opferzahl hier deutlich höher. 369 Todesopfer und über 7000 Verletzte gemeldet.
In den Bilanzen werden die Auswirkungen beider Erdbeben (und einiger ebenfalls zerstörerischer Nachbeben) zusammengefasst. So kam es infolge der gesamten Sequenz zu 475 Todesopfern und  7600 Verletzten. Rund 50.000 Gebäude wurden zerstört, 180.000 weitere beschädigt. 650.000 Menschen wurden obdachlos, was einen Impakt-Wert von 3,87 ergibt.
Nach dieser Erdbebensequenz leben noch immer viele Menschen im betroffenen Gebiet in Notunterkünften. Der Wiederaufbau der Gebäude zieht sich. Mit diesen Auswirkungen war diese Erdbebensequenz zu der Zeit 80% aller weltweiten Erdbebenschäden des Jahres verantwortlich.

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Mit Ausnahme von Mexiko blieb der September insgesamt relativ ruhig. Nur fünf weitere Erdbeben über Magnitude 6, die allesamt ohne Schäden blieben, traten in diesem Monat auf. Das Erdbeben, dass durch einen Kernwaffentest in Nordkorea ausgelöst wurde und mutmaßlich dutzende Menschen getötet hat, wird aufgrund seines Ursprungs hier nicht weiter berücksichtigt.

Die wohl katastrophalste Situation infolge von Erdbeben außerhalb von Mexiko hat sich auf der Indonesischen Insel Halmahera zugetragen, wo über Tage hinweg tausende kleine bis moderate Erdbeben registriert worden sind. Infolge dieses Schwarms kam es zu Schäden an über 1500 Gebäuden. Mehr als 10.000 Menschen waren betroffen. Allerdings gab es nur zwei Verletzte, da der Schwarm mit kleinen Beben begonnen hat und die Menschen bei den größeren, die Intensität VII erreicht haben, vorgewarnt waren (Impakt-Wert 1,79).
Unwesentlich geringer waren die Auswirkungen eines Erdbebens (M5.4) am 23. in der Philippinischen Region Bukidnon. Dieses führte zu elf Verletzten und zerstörte dutzende Gebäude (1,75).

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Übersicht
Seite 1: Zahlen und Fakten
Seite 2: Januar – Jahrhundert-Beben in Madagaskar, Fracking-Rekord in China
Seite 3: Februar – Erste Katastrophe für die Philippinen
Seite 4: März – Panik in Rangun, Jahresrekord für glückliches Yunnan
Seite 5: April – Rekord in Botswana, Starkbebenserie auf den Philippinen
Seite 6: Mai – Erste Katastrophen für Iran und China
Seite 7: Juni – Doppelschlag für Guatemala, erstes Griechenland-Beben
Seite 8: Juli – Zweite Katastrophen für Philippinen und Griechenland
Seite 9: August – Katastrophe in Sichuan – Unglück auf Ischia
Seite 10: September – Katastrophenmonat in Mexiko
Seite 11: Oktober – Schwarmbeben in Indonesien
Seite 12: November – Todesbeben im Iran mit Langzeitwirkung
Seite 13: Dezember – Immer wieder Iran, Panik in Teheran
Seite 14: Zusammenfassung und Statistiken

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Jens Skapski

Data Analyst bei Risklayer
Jens ist 25 Jahre alt und studierte von 2013 bis 2019 an der Ruhr-Universität Bochum, zunächst Geowissenschaften (B.Sc. Abschluss) und später mit Spezialisierung auf Erdbebenphysik und -gefährdung. Seit Sommer 2019 arbeitet er als Data Analyst in Karlsruhe.

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